Der Begriff «Nachhaltigkeit» ist omnipräsent; oft genug gehört, um fast seine Bedeutung zu verlieren. Heute werden Haushaltsgegenstände, Bankprodukte und sogar Ferienreisen mit dem Modewort Nachhaltigkeit beworben. Ein Blick in die Forstwirtschaft zeigt jedoch, dass Nachhaltigkeit hier nicht nur ein Wort ist, sondern tatsächlich gelebt wird. In einer Branche, die in Zeiträumen von bis zu 200 Jahren plant und investiert, ist nachhaltiges Denken und Handeln unerlässlich. Doch ist Nachhaltigkeit nur ein Marketinginstrument oder tatsächlich die Zauberformel zur Lösung globaler Probleme wie der Klimakrise?
Seit mehreren Jahren betreibe ich als Revierförster hauptsächlich Schadensbegrenzung. Ganze Waldbestände hat es auch diesen Sommer trotz langer Regenperioden «dahingerafft»!
Der Begriff «Nachhaltigkeit» hat seinen Ursprung in der Forstwirtschaft des 17. und 18. Jahrhunderts. Hans Carl von Carlowitz, einer der Begründer des Prinzips der Nachhaltigkeit, verwendete das Wort «nachhaltend» erstmals 1713 in seiner Schrift «Sylvicultura oeconomica». Sein Ziel war es, nur so viel Holz für die Erzverhüttung zu schlagen, wie nachwachsen konnte. Dieser vorausschauende Ansatz gilt bis heute als Grundgedanke der Nachhaltigkeit, obwohl es von Carlowitz eher um maximale Ausbeutung der Ressource Holz als um den Schutz der Natur ging.
Das Prinzip der Nachhaltigkeit nach von Carlowitz blieb lange Zeit auf die Forstwirtschaft beschränkt, bis es in den 1980er-Jahren in der globalen Umweltpolitik auftauchte. Die Vereinten Nationen begannen, unter dem Banner der «nachhaltigen Entwicklung» langfristige Ziele festzulegen und die Interessen künftiger Generationen zu thematisieren.
Die Baselbieter Forstwirtschaft geht in Sachen Nachhaltigkeit voran, indem sie proaktiv auf den Klimawandel reagiert und nicht abwartet. Sie investiert in die Zukunft, indem sie klimaresistente Baumarten pflanzt, den Wald für seine Multifunktionalität pflegt, die Biodiversität fördert, neue Habitate schafft, regionale Bausubstanz und den Energieträger Holz bereitstellt und so hilft, den Klimawandel zu bekämpfen. Doch dieses Unterfangen kostet Geld, das heute für die Waldeigentümer nicht mehr vorhanden ist.
Früher wurden Investitionen in unseren Wald durch Holzerlöse finanziert. Seit den 1960er-Jahren kennen die Rohholzpreise nur noch einen Weg: nach unten. Im Durchschnitt betragen die Rohholzpreise über alle Sortimente noch 60 Franken pro Kubikmeter. Doch der Wald, der immerhin 41 Prozent der Kantonsfläche ausmacht, erbringt mehrere Millionen Franken an öffentlichen Leistungen, die nicht abgegolten werden.
Im Sinne der Nachhaltigkeit ist es nun angebracht, die Waldeigentümer bei der Mammutaufgabe Klimawandel und seinem Einfluss auf den Wald zu unterstützen. Davon profitieren werden alle im Kanton ansässigen Unternehmen, Personen, Tiere und besonders: unser geliebter Baselbieter Wald.
In der «Carte blanche» äussern sich Oberbaselbieter National- und Landratsmitglieder sowie Vertreterinnen und Vertreter der Gemeindebehörden zu einem selbst gewählten Thema.
Erstmals erschienen in der Volksstimme am 10. Oktober 2023.
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